18.10.2017

Konzert 9

Konzert 9 - carte blanche Marcelo Nisinman

 

Für unser heutiges Konzert haben wir Marcelo Nisinman eine carte blanche gegeben. Wir lassen uns von seinem Programm überraschen und hören zu, was er uns musikalisch von seiner Wahlheimat Paris erzählen möchte.

 

Wie wir heute hören werden, beinhaltet seine Musik ein neues, weit gefächertes und originelles Spektrum, das seinen Ursprung in Buenos Aires hat. Sein gegenwärtiger Musikstil, der durch seine persönlichen Erfahrungen geprägt ist, bringt vielschichtige Variationen verschiedenster Kunstsituationen und bricht auf eine eigene und provokative Art mit den traditionellen “Regeln” der sogenannten "Musica Porteña". 

 

Angefangen mit seinen Bandoneon Solos, sowie einer Vielfalt von Kompositionen für verschiedenste Musikformationen, wie Streichquartette, Kammer Ensembles, Symphonische Gruppen und Orchester, weckt diese vielschichtige, ironische und komplexe neue "Tango" Musik enorm tiefgehende Empfindungen und Erlebnisse auf: vom meditativen und introspektiven in sich Betrachten bis zu einer äußeren Ekstase und  starker Erregung.

 

So sind wir gespannt auf Marcelo Nisinmans Bearbeitungen der beiden Chansons von Léo Ferré und Barbara, deren Chanson „Göttingen“ der ein oder andere wohl kennen mag. 

 

Astor Piazzolla kam nach Europa um bei Alberto Ginastera, und nach Paris um bei Nadia Boulanger Komposition zu studieren. Erwähnenswert ist vielleicht folgende Aussage Piazzollas: „In Wahrheit schämte ich mich, ihr zu sagen, dass ich Tangomusiker war, dass ich in Bordellen und Kabaretts von Buenos Aires gearbeitet hatte. Tangomusiker war ein schmutziges Wort im Argentinien meiner Jugend. Es war die Unterwelt.“ Tatsächlich galt der Tango in Argentinien lange als Musik der Unterschicht - erstaunlicherweise musste der Tango, so geschehen in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg, den Atlantik überqueren, um seinen Siegeszug anzutreten - vor allem das mondäne Paris fand an ihm Gefallen. 

 

Umgekehrt erging es dem Bandoneon - der Krefelder Musiklehrer und Musikalienhändler Heinrich Band entwickelte dieses Instrument aus der Konzertina weiter. Der Siegeszug des Bandoneons setzte dann ein, als es um 1900 mit europäischen Einwanderern und Seeleuten den Weg in die Hafenkneipen und Bordelle von Buenos Aires fand. Geliebt wurde dort die Ausdruckskraft des Bandoneons, bautechnische „Mängel“ wie das Klappern der Tasten und Luftgeräusche wurden positiv angesehen und organisch ins Spiel des Instrumentes integriert.

 

Auch Igor Strawinsky hat seinen Weg in das heutige Konzert gefunden - er hat selber lange Jahre in Paris gelebt, ist dort wiederum auf den Tango gestoßen und überraschte mit ihm in seiner „Geschichte vom Soldaten“.


Konzert 9

Mittwoch, 26. April 2017, 20:30 Uhr

Blue Note, Osnabrück

 

„CARTE BLANCHE MARCELO NISINMAN“

 

Astor Piazzolla (1921-1992)/ Marcelo Nisinman (*1970):

„Otoño porteño“

Für Bandoneon, Klavier, Streichquartett und Kontrabass

 

Enrique Santos Discépolo (1901-1951)/ Marcelo Nisinman (*1970):

„Yira Yira“ 

für Tenor, Oboe, Klarinette, Bandoneon, Klavier, Gitarre und Kontrabass

 

Igor Strawinsky (1882-1971)

„Die Geschichte vom Soldaten“

Fünfsätzige Suite für Violine, Klarinette und Klavier

 

Astor Piazzolla (1921-1992)/ Marcelo Nisinman (*1970):

„Oblivion“

für Bandoneon, Klavier und Streichquintett

 

Mariano Mores (1918-2016)/ Marcelo Nisinman (*1970):

„Tanguera“ 

für Oboe, Klarinette, Klavier, Gitarre und Kontrabass

 

Barbara (1930-1997)/ Marcelo Nisinman (*1970):

„Nantes“

für Klarinette, Bandoneon, Klavier, Violine und Kontrabass

 

Astor Piazzolla (1921-1992):

„El Títere"

für Tenor, Bandoneon, Violine, Klavier, Gitarre und Kontrabass

 

 

Léo Ferré(1916-1993) Marcelo Nisinman (*1970):

„Avec le temps

für Violine, Bandoneon und Kontrabass

 

Astor Piazzolla (1921-1992)/ Marcelo Nisinman (*1970):

„Soledad“ 

für Tenor, Oboe, Klarinette, Bandoneon, Klavier, Gitarre und Kontrabass

 

Marcelo Nisinman (*1970):

„Argentinos en Europa“

für Klarinette, Bandoneon, Gitarre, Klavier, Streichquartett und Kontrabass

 

Astor Piazzolla (1921-1992)/ Marcelo Nisinman (*1970)

„Concierto de Nacar“

für Bandoneon Solo, Solovioline, Klavier und Streichquintett

 

Ensemble des Abends:

Patricio Arroyo, Tenor

Daniel Rowland, Violine 

Francesco Sica, Violine

Vladimir Mendelssohn, Viola

David Cohen, Violoncello

Zoran Marković, Kontrabass

Blanca Gleisner, Oboe

Lauri Sallinen, Klarinette            

Alfredo Perl, Klavier

Alberto Mesirca, Gitarre

Marcelo Nisinman, Bandoneon