21.03.2019

Konzert 3

Konzert 3

Sonntag, 10. März, 18 Uhr

Rittersaal, Bad Iburg

Konzert des LVOSL

 

Peter Tschaikowsky (1840-1893)

Souvenir d’un lieu cher  op. 42

 

- Méditation

- Scherzo

- Mélodie “chant sans paroles”

 

Sergey Malov, Violine                                    

Natacha Kudritskaya, Klavier    

 

 

Giovanni Sollima (*1962)

Violoncelles vibrez!

 

David Cohen

Maja Bogdanović

Brexchange Cello Ensemble

 

Carlos Gardel (1890-1935)

Tango aus True Lies “Por una Cabeza”

 

Brexchange Cello Ensemble

David Cohen, Urška Horvat, Noémi Siska, Thibault Blanchard-Dubois

Bryce Dessner (*1976)

“El Chan”

 

- El Charco del Ingenio

- Points of Light

- Four Winds

- Ballad d'Allende

- Coyote

- Pool of El Chan

- Mountain

 

NOTOS Quartett

 

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Sergei Rachmaninow (1873-1943)

Vocalise op. 34

 

Sophie Klußmann, Sopran   

Alfredo Perl, Klavier                           

 

Antonín Dvořák (1841-1904)

Klavierquartett Nr. 1 D-Dur op. 23

 

- Allegro moderato

- Andantino

- Finale. Allegretto scherzando – Allegro agitato

 

Daniel Rowland, Violine   

Vladimir Mendelssohn, Viola           

Maja Bogdanović, Violoncello            

Alfredo Perl, Klavier     


   

 

Konzert 3

„Je dunkler die Wirklichkeit, desto heller der Traum.“
Aus Irland

Als Tschaikowsky seine „Erinnerungen an einen geliebten Ort“ schrieb, befand er sich an einem der dunkelsten Momente seines Lebens. Er hatte die Hoffnung verloren, seine Liebe im wirklichen Leben ausleben zu können, und verkroch sich auf dem Landsitz seiner Gönnerin Nadeshda von Meck. Ihr schrieb er später: "Ich habe Marcel meine Stücke für Sie übergeben. Als ich Marcel diese Stücke gab, fühlte ich eine unbeschreibliche Melancholie, die bis zum Schreiben dieser Zeilen fortdauerte; bis ich den Flieder sah, der noch in voller Blüte steht, das ungemähte Gras und die Rosen, die gerade beginnen zu blühen!“

Lassen wir nun die Celli vibrieren! Sei es aus Leidenschaft, sei es aus Energie, Rhythmik, Virtuosität… Der Komponist und Cellist Giovanni Sollima, über den sein Kompositionslehrer sagte „So ein Talent gibt es nur einmal in hundert Jahren“, treibt die Celli in wirklich jede erdenklichen Superlative.

Carlos Gardel und Alfredo Le Pera erzählen uns in dem Tango „por und cabeza“ von ihrem Herzblut, ihrer Leidenschaft und von ihrer Liebe, sowohl der Liebe zum Spiel als auch der zur Frau, und von ihrem Unvermögen dieser Liebe zu wiederstehen, auch wenn sie ihretwegen wissentlich immer und immer wieder ins Verderben rennen.

Und jetzt wagen wir uns in die Tiefen des Mexikanischen Canyon… Aber Vorsicht! Bei Vollmond, wird gesagt, kann man hier Don Baltazar Sautto antreffen, einen kopflosen Reiter… Aber den suchen wir garnicht… Wir suchen… Aber was ist das, ein tiefer, dunkler, scheinbar bodenloser See… das muss er sein, „el charco del ingenio“, der Geistertümpel. Hier wohnt „el Chan“, ein Geist, ein Schutzgeist… Achtung, nicht so schnell! Wer sich ihm zu sehr nähert, dem zeigt er auf schauerliche Weise seine schrecklichen Kräfte!

Sergei Rachmaninow widmete der Sopranistin Antonia Wassilijewna Neschdanowa seine Vocalise mit folgenden Worten: "Wozu sind die Worte, wenn Sie doch fähig sind, alles besser und viel mehr mit Ihrer Stimme und durch Ihre Interpretation auszudrücken, als jedermann dies mit Worten täte?“


Das erste Klavierquartett von Dvořák, das wir heute hören, stammt aus dem Jahr 1875. Mit seiner Musik fand er in seiner Heimat zwar mehr und mehr Anerkennung, doch der große internationale Durchbruch ließ noch auf sich warten. Deshalb kam das Stipendium des Wiener Schulministeriums für „junge mittellose talentierte Künstler“, das er auf Drängen Johannes Brahms’ zugesprochen bekam, wie gerufen. Innerhalb von nur zwei Wochen schrieb er sodann unter Anderem dieses Klavierquartett, und man kann sowohl die Freude über die Erfüllung des lang ersehnten Traumes eines Stipendiums, als auch die tiefe Verbundenheit mit der Volksmusik seiner Heimat hören. Während die Rahmensätze vor Energie sprühen, entführt uns der langsame Satz in eine nächtliche Stimmung, ein verträumtes Nocturne.