16.12.2017

Konzert 1

Konzert 1 - Der Ochs auf dem Dach

 

Kein Werk scheint besser geeignet dieses Festival zu eröffnen als „le boef sur le toit“. Denn einerseits stimmt es uns mit seinen schwungvollen brasilianischen Rhythmen auf eine wunderbare Festivalwoche ein. Und andererseits steht „le boef sur le toit“ symbolisch für Paris als Sammel- und Inspirationsort von Unmengen an Künstlern, denn ebendiesen Namen trägt die bei Künstlern so beliebte Kabarett-Bar. Hier traf sich die „groupe des six“, eine Gruppe befreundeter Komponisten um Darius Milhaud und Francis Poulenc, und verbrachte ihre Abende komponierend, konsumierend, diskutierend und, nicht zuletzt, musizierend. Ebenso anzutreffen waren hier etwa Picasso, Camus, Coco Chanel und Charlie Chaplin. So entstand bei Milhaud die Idee, für einen Stummfilm eine Hintergrundmusik zu komponieren, und als er nach einem längeren Brasilien Aufenthalt nach Paris zurückkam, komponierte er die Cinéma-Fantaisie. 

 

Ebenso freudig geht es mit Francis Poulencs Sextett weiter. Poulenc galt ohnehin als Schelm unter den Komponisten seiner Zeit. Dieses Werk ist regelrecht ein Feuerwerk aus trocken-bissigem Humor und eklatanter Sentimentalität. Poulenc nimmt uns als Zuhörer mit in das Gewusel der Pariser Straßen - manchmal können wir uns gar nicht schnell genug umschauen, um alles mitzubekommen, und im nächsten Moment befinden wir uns mitten in einer tragischen Szene in einem der vielen Pariser Theater…

 

Camille Saint-Saëns erinnert uns mit seiner 1872 komponierten „danse macabre“ an die Sterblichkeit, und damit leiten wir auch in den zweiten Teil unseres Konzertes über.

 

Der junge Wolfgang Amadeus Mozart reiste 1777 gemeinsam mit seiner Mutter nach Paris, um hier Lohn und Brot zu finden. „Indessen schien doch der grosse Marktplatz aller ausgezeichneten Talente in den schönen Künsten, das damalige Paris, der schicklichste Ort für ihn zu seyn“ - so ein Biograph Mozarts. Jedoch schien all das in den Hintergrund zu treten als Mozarts geliebte Mutter starb, was ihn veranlasste diese wunderschöne Klaviersonate zu schreiben. Sie ist eine der wenigen in Moll.

 

Einen ebenso traurigen Hintergrund hat Louis Viernes’ Klavierquintett - sein Sohn Jacques war 17 Jahre alt als er ihn im Zuge des ersten Weltkrieges verlor. Das Klavierquintett trägt die Widmung „à la memoire de mon cher fils JACQUES / Mort pour la France à 17 ans“. Louis Vierne wurde mit einer schweren Sehstörung geboren, schaffte es dennoch einer der größten Organisten seiner Zeit zu werden. Im Jahre 1900 wurde er zum Organisten der Pariser Kathedrale Notre-Dame ernannt und blieb es auch bis zu seinem Tod -  er starb im Konzert am Spieltisch seiner Orgel nach dem Schlussakkord seines Werkes „stèle pour un enfant defunt“ - „Andenken an ein verstorbenes Kind“.

Konzert 1

Freitag, 21. April 2017, 20 Uhr

Schlossaula der Universität Osnabrück, Eröffnungskonzert  

Kooperationspartner: Universität Osnabrück, Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik

 

Darius Milhaud (1892-1974):

Le bœuf sur le toit

 

Daniel Rowland, Violine

Julia Okruashvili, Klavier

 

Francis Poulenc (1899-1963):

Sextett für Klavier und Bläserquintett

 

Alfredo Perl, Klavier

Stefanie Faust, Flöte                                                                 

Blanca Gleisner, Oboe

Lauri Sallinen, Klarinette

Benedikt Seel, Fagott

Benoît de Barsony, Horn

 

Allegro vivace

Divertissement. Andantino

Finale. Prestissimo

 

Camille Saint-Saëns (1835-1921):

Danse Macabre

 

Daniel Rowland, Violin

Julia Okruashvili, Klavier

 

- PAUSE  -

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791):

Klaviersonate Nr. 9 a-Moll, KV 310

 

Allegro maestoso

Andante cantabile con espressione

Presto

 

Alfredo Perl, Klavier

 

Louis Vierne (1870-1937):

Klavierquintett c-Moll, op. 42

 

Poco lento – Moderato

Larghetto sostenuto

Maestoso – Allegro risoluto

 

Julia Okruashvili, Klavier

Daniel Rowland, Violine

Karolina Weltrowska, Violine

Vladimir Mendelssohn, Viola

David Cohen, Violoncello